Licht-
Verschmutzung 
Allgemein

Warum ist die Lichtverschmutzung ein solches Problem, dass ich meine Zeit dafür aufbringen sollte, mich darüber zu informieren?

Hierfür gibt es zwei Gründe:

1. Die Folgen der Lichtverschmutzung betreffen uns alle

2. Die Lichtverschmutzung kann jeder von uns verringern und dabei Geld sparen.

Die offensichtliche Folge der Lichtverschmutzung können wir jede Nacht beobachten. Je heller die Umgebung ist, desto weniger Sterne können wir sehen. Das zeigt das folgende Beispiel. Die Schrift steht für die Sterne. Je dunkler der Hintergrund, desto deutlicher ist die Schrift zu sehen.

Helle Umgebung (Stadt)

Normale Umgebung (Ländich)

Dunkle Umgebung (Abgelegen)

Natürlich haben wir am Himmel keine Schrift, die wir lesen können. Aber die Anzahl der Sterne, die wir sehen können, ist hier ein gutes Maß für die Lichtverschmutzung. Wenn man am Himmel zumindest den Großen Wagen sehen kann, ist der Himmel zumindest noch im Ansatz dunkel. Wenn man die hintere Kante des großen Wagens etwa 5 mal nach oben (vom Wagen aus gesehen) verlängert, kann man den Polarstern finden. Dieser ist bereits deutlich dunkler als die Sterne des großen Wagens. So ist hier schon ein Anzeichen für einen dunkleren Himmel. In weiteren Schritten kann man prüfen, ob man auch den kleinen Wagen sehen kann (der Polarstern ist die Spitze der Deichsel) oder sogar die Andromeda-Galaxie oder die Milchstraße, dann hat man einen sehr dunklen Himmel gefunden. Wer auf diese Weise bei sich zu Hause den Himmel vermessen möchte, dem empfehle ich die App "Verlust der Nacht". Auch wenn der Sternhimmel für einen romantischen Spaziergang oder für ein gedankliches Verlieren in der Unendlichkeit ein schönes Accessoire ist, so ist dies für die meisten zwar schade aber auch nicht mehr.

Folgen für die Umwelt:

Die Lichtverschmutzung hat aber einen erheblichen Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus von Lebewesen und auf das Verhalten von Nachtaktiven Lebewesen. Hierzu zwei Beispiele:

1. Der Nachtfalter

Der Schmetterling des Jahres 2021 ist der Braune Bär, ein Nachtfalter, der stark unter der Lichtverschmutzung leidet. Die Wahl soll auf genau dieses Problem hinweisen. Dabei spielen Nachtfalter eine entscheidende Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen, sogar in einem größeren und vielseitigeren Maße als Bienen. Hier zeigen aber Untersuchungen, dass Pflanzen, die nachts von künstlichem Licht beleuchtet werden, deutlich seltener (62% Abnahme) von Nachtfaltern besucht. Zudem verschiebt sich die Blütezeit durch das künstliche Licht nach vorne im Jahr, in einen Zeitraum, in dem es noch keine Nachtfalter gibt. Zudem wird das Flugverhalten der Falter stark durch das Licht beeinflusst, da diese sich sonst am Mond, der einzigen großen, natürlichen Lichtquelle bei Nacht, orientieren. Nun kreisen die Nachtfalter aber in großen Mengen die ganze Nacht orientierungslos um Laternen bis zur völligen Erschöpfung, wodurch sie leichte Beute für Fressfeinde werden.

2. Der Igel

Jeder der einen Garten hat, kennt das Problem mit Nacktschnecken, die die geliebten Pflanzen abfressen. Viele greifen zu teuren Chemiekeulen, dem Schneckenkorn. Das Problem aber ist häufig einfach, dass der natürliche Fressfeind der Schnecke fehlt: der Igel. Während der Schnecke künstliches Licht nahezu nichts ausmacht, kann bereits durch kleine Deko-Leuchten im Garten ein Igel dauerhaft vertrieben werden. Häufig kann ein Schneckenproblem alleine durch Dunkelheit verringert werden.

Natürlich ist die Lichtverschmutzung nicht das einzige Problem unserer Flora und Fauna. Gerade Pestizide, zerstörte Lebensräume und Klimaveränderungen haben hier einen wahrscheinlich sogar größeren Einfluss. Aber die Lichtverschmutzung ist ein Multiplikator, den wir lokal leicht beeinflussen können.


Folgen für den Menschen:

Eine der bedrohlichsten Volkskrankheiten der modernen Welt ist Stress. So führt Stress zu einer Vielzahl von körperlichen Folgen:

Diabetes 

Bluthochdurck

Fettleibigkeit

Depression

Krebs (vor allem Brust- und Prostatakrebs)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Stress hat in der heutigen schnellen Welt viele Auslöser, von Stress bei der Arbeit/Schule, in der Familie oder auch soziale Medien. Der Zusammenhang zur Lichtverschmutzung ist hier das Hormon Melatonin, das für den Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich ist. Dieses wird aber durch Licht, vor allem blauem Licht gehemmt. Dieses blaue Licht ist vor allem in weißen LEDs (Zimmerbeleuchtung und Straßenlaternen), Fernsehern und Handys zu finden. Durch ein Übermaß an blauem Licht heutzutage bildet der Körper weniger Melatonin, der Mensch schläft schlechter (kann nicht einschlafen, weniger REM und Tiefschlafphasen) und dadurch kann der Körper deutlich schlechter Stress abbauen. Zudem führt ein geringer Melatoninspiegel zu einer Erhöhung des Östrogenspiegels und dies kann Brustkrebs verursachen.


Sicherheit durch Licht:

Gerade Straßenbeleuchtung und eine gut ausgeleuchtete Straße vermittelt vielen ein Gefühl der Sicherheit. Doch Untersuchungen in England (https://jech.bmj.com/content/69/11/1118) haben gezeigt, dass es sich hierbei lediglich um eine gefühlte Sicherheit handelt. In England wurde als Sparmaßnahme vielerorts das Licht gedimmt, zeitweise oder sogar ganz ausgeschaltet. Auf diesen Straßen kam es weder zu mehr Unfällen (weder Autos noch Fußgänger) noch kam es zu mehr Verbrechen. Zum Teil lagen die Werte sogar niedriger (aber nicht signifikant) als auf gut ausgeleuchteten Straßen. Der Niedersächsische Rechnungshof hat sich auch mit der Frage beschäftigt, wie viel Straßenbeleuchtung notwendig ist und welches Einsparpotential hier vorhanden ist. Der entsprechende Bericht ist hier zu finden. In diesem Bericht steht:

"Eine rechtliche Verpflichtung zum Ausleuchten besteht für Kommunen nur in besonderen Fällen, so bei Verkehrszeichen und Fußgängerüberwegen. Zudem kann das Ausleuchten im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht an gefährlichen Straßenkreuzungen, Engpässen und scharfen Kurven, Baustellen sowie Verkehrsinseln notwendig werden, wenn „ein wirkliches Sicherungsbedürfnis besteht.“" Zudem wurde hier festgestellt, dass bis zu 70% der Kosten für Straßenbeleuchtung die Stromkosten ausmachen, die durch dimmen, teilweise oder vollständige Abschaltung verringert werden kann.



Was können wir tun?

Mit kleinen Schritten können wir alle dazu beitragen, das Problem der Lichtverschmutzung zu verringern:

1. Außenbeleuchtung mit Bedarfsschaltung: Bewegungsmelder sorgen dafür, dass die Beleuchtungszeit stark verringert wird die Beleuchtung aber dennoch vorhanden ist, wenn wir sie benötigen.

2. Ausrichtung der Beleuchtung: Grundsätzlich sollte Beleuchtung immer nur in Richtung Boden ausgerichtet werden, nie in den Himmel gerichtet. 

3. Auswahl der Leuchtmittel: Die Farbtemperatur einer Lampe ist entscheidend für ihren Einfluss auf die Lichtverschmutzung. Je höher die Farbtemperatur (eher bläulich, empfinden wir als "kalt"), desto gravierender der Einfluss. Ideal ist eine Farbtemperatur von 1700K, der Wert von 2700K sollte nicht überschritten werden. Zudem ist dieses Licht deutlich gemütlicher.

4. Anzahl und Höhe: Grundsätzlich sind viele kleine Lampen besser als eine große, da diese gezielter ausgerichtet werden können. Zudem ist eine geringe Installationshöhe stets einer hohen zu bevorzugen.

5. Vermeidung von Deko-Licht: Kleine Leuchten im Garten sehen häufig schön aus, aber wann genau sieht man sie? Die meiste Zeit leuchten diese Lampen ungesehen und sind somit ohne Sinn schädlich. Ein Paradebeispiel hierfür sind die "Solar Kugelleuchten" aus dem Baumarkt, die bei ihrer Produktion nebenbei einen verheerenden CO2-Fußabdruck hinterlassen, sich nicht ausschalten lassen und häufig einen großen Blauanteil haben.

All diese Punkte lassen sich in genau dieser Art auch auf "öffentlich Beleuchtung" wie Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung von historischen Gebäuden und ähnliches übertragen. 


Was gibt es schon:

Immer mehr Umweltorganisationen wie der NABU haben inzwischen das Problem der Lichtverschmutzung erkannt und machen darauf aufmerksam. So gibt es inzwischen z.B. in Bayern ein Emissionsgesetz, dass vermeidbare Lichtemission verbietet.

Außerdem gibt es in Deutschland inzwischen fünf ausgewiesene Sternenparks, die sich durch einem besonders dunklen Himmel auszeichnen:

- Westhavelland

- Biosphärenreservat Rhön

- Sternwarte St. Andreasberg - Harz

- Nationalpark Eifel

- Winkelmoos - Alm

Unabhängig davon sind die Inseln Spiekeroog und Pellworm die dunkelsten Orte in Deutschland. 

Wenn du an einem dieser Orte bist, schau nachts einmal in den Himmel und vielleicht siehst du, was uns an zu vielen Orten in Deutschland fehlt.